Berlin Multikulti – Kreuzberger Mischung

 

Aus den Erzählungen meiner Eltern und dem Geschichtsunterricht weiß ich, dass Berlin einst eine geteilte Stadt in West und Ost war. Der Westteil der Stadt war eine Exklave inmitten der ehemaligen DDR und, so heißt es, ein ganz schön verschlafenes Nest im Vergleich zu anderen Weltstädten, wie London oder Paris.

Rundweg 30 Jahre später ist das verschlafene Dörfchen nicht mehr wiederzukennen. Einstige Arbeiterbezirke, wie Kreuzberg, Wedding oder Neukölln sind heute durch ein buntes Multikultibild jeglicher Couleur geprägt. Es vereinen sich unzählige Nationen aller Herrenländer und die Migrationsanzahl von 35% sind deutlich zu spüren. Wozu denn eigentlich noch verreisen, wenn man doch fast die ganze Welt auf einem Fleck haben kann. Lust auf kenianisch mit einem Absacker im Anschluss beim Koreaner? Ein nettes Tässchen Chai beim Araber mit anschließendem Wer-verträgt -Mehr Umdrehungen der Chillisoße beim Mexikaner? Kein Problem im bunten Berlin.

Beim diesjährigen Kulturfest im Wedding war der türkische Kulturkreis so authentisch vertreten, dass man sich das teure Flugticket nach Antalya sparen konnte. Speisen, Kleidung, Musik nach traditioneller Art waren dort hautnah zum Anfassen.

Kreuzberg ist sicherlich der bekannteste Bezirk in Berlin, welcher seit zig Jahren für ein buntes Miteinander steht. Natürlich bringt soviel Neues und Fremdes nicht immer bei Jedermann eine Faszination mit sich. Am Ende klappt es aber meistens doch und bietet sogar einen fruchtbaren Boden für neue kulturelle Kreationen, die sich miteinander vermischen und spannende Geschichten zu erzählen haben. Ein gutes Beispiel dafür ist die Kreuzberger Mischung.

Die Kreuzberger Mischung – live erlebt 

Wenn man am Abend durch Berlin streift, wird man sehr schnell damit konfrontiert, welche große Vielfalt und Diversität in dieser Stadt steckt. In beinahe jedem Bezirk findet man eine kulturellen Vielfalt, für welche man sonst durch ganz Europa reisen müsste, einer dieser Bezirke ist Kreuzberg. Auch wenn Kreuzberg nur ein Beispiel ist, merkt man an jeder Straßenecke, wie sich der Bezirk zu einem der Orte in Berlin entwickelt hat, an dem viele Kulturen aufeinander stoßen. Diese Mischung, die so entsteht, wird in Kreuzberg bewusst als „Kreuzberger Mischung“ bezeichnet. Dies hat den Grund, dass Kreuzberg ein Bezirk ist, indem man sich durch lange Migrationsgeschichte und somit Wandel ein gutes Bild der kulturellen Vielfalt Berlins machen kann. Aber auch die Neureichen und Berlinzuwanderer fanden Ihren Gefallen an Kreuzberg, und starteten dort ein neues Leben. 

Was macht die Kreuzberger Mischung denn aus? 

Der Berliner Stadtteil Kreuzberg ist in die Geschichte des Städtebaus als Geburtsort der „Kreuzberger Mischung“ eingegangen. Während in den Blockrandbebauungen des 19. Jahrhunderts im Vorderhaus und Seitenflügel traditionell gewohnt wurde, dienten Hinterhaus und Hof dem Gewerbe. Diese Hinterhöfe sind sehr unterschiedlich gestaltet worden. Zum einen nicht renoviert, billig vermietet, mit hoher Diversität an Nationalitäten und auch an Nutzungsgewohnheiten des Hinterhofs. Die einen machen den Grill an, trinken Tee oder die Großmutter beobachten die Enkel beim spielen. Zum anderen die hochpreisig renovierten Blöcke, in denen schicke Blumenbeete angelegt werden. Bei der Kreuzberger Mischung ist die Dichte an Gebäuden hoch, die Wege sind kurz und schmal, städtische Atmosphäre und soziale Mischung sind garantiert. Auch das enge Zusammenleben von Arbeiten, Wohnen, Kultur und Freizeit macht die Mischung aus. Angesichts der zukunftsorientierten Arbeitsplätze, an denen heute volkswirtschaftlicher Nutzen in Start-up-Unternehmen geschöpft wird, ist die „Kreuzberger Mischung“ für viele interessanter als jemals zuvor.

Dass man Kreuzberg als einen so kulturreichen Bezirk erlebe, liegt an der langen Migrationsgeschichte. Im Jahre 1920 wird der Bezirk Kreuzberg gegründet und in Ost und West aufgeteilt. So entsteht das eher bürgerliche Kreuzberg 61 und das eher proletarische Kreuzberg 36, auch genannt SW61 und SO36 orientiert an den jeweiligen Postbezirken. Die später im Jahre 1964, für den Wiederaufbau, nach Berlin geholten sogenannten „Gastarbeiter“, mehrheitlich aus der Türkei, holen ihre Familien nach und finden in den billigen Altbauquartieren Kreuzbergs Wohnungen auf Zeit „unbefristet, aber längstens bis zum Abriss“, wie es in den Mietverträgen damals hieß. Dies erklärt die Größe der Population von Einwohnern mit türkischen Wurzeln, die sich bis heute gehalten hat. Später kamen aufgrund der günstigen Arbeits – und Wohnbedingungen viele Arbeitssuchende aus Europa nach Kreuzberg. Später kamen die Neureichen die den Bezirk attraktiv fanden und ihn nutzten, um neue unternehmen, Start-Ups, aus dem Boden zu stampfen. In den letzten Jahren kamen auch viele Zuwanderer aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan dazu, welche dem Krieg entkommen wollen und erweiterten so noch die vielseitige „Kreuzberger Mischung“.

Mit meinem Tutorium habe ich eine Stadttour durch Kreuzberg zu diesem Thema gemacht. Hierbei half uns ein Stadt-Guide die richtigen Orte und die richtigen Geschichten zu erfahren, was ich auch allen Lesern nur empfehlen kann. Ein guter Startpunkt ist das Cottbuser Tor, das früher Kreuzberg in Süd und Nord unterteilte und an dem die Berliner Mauer entlangging. Außerdem soll dort damals eine Zollstation für den Übergang von Ost nach West-Berlin gestanden haben. Daraufhin besuchten wir mehrere Hinterhöfe, die durch die Bewohner verschieden gestaltet wurden, um einen Kontrast zum ewigen Stadtbild zu schaffen. So schiefen sie einen, zumindest etwas ruhigen und naturbelassenen Ort, an dem man sich vom Stadttrubel erholen konnte. Von dort ging es direkt weiter zur Einkaufsstraße, wo man sich durch die verschiedenen Geschäfte treiben lassen konnte und so die Kreuzberger Mischung live miterlebt. Ein weiterer Fixpunkt sollte der „SO36“ sein, ein Club, der nach dem alten Postbezirk benannt wurde und ein Teil der Geschichte Kreuzbergs ist. Von dort weiter über die Omar Ibn Al-Khattab Moschee, die man sich ansehen sollte, was ich natürlich getan habe, erfuhren wir, dass diese vom islamischen Verein für wohltätige Projekte e. V. gebaut und 2010 eröffnet wurde. Diese und die Synagoge am Fränklinufer, die wir danach besichtigten, gehören zu den wichtigsten religiösen Gebäuden in Kreuzberg. 

Alle diese Dinge und Beobachtungen von denen ich Euch berichten konnte, sind ein wichtiger Bestandteil der Kreuzberger Mischung und machen diese für viele Menschen sehenswert. 

Also, los geht’s, worauf wartet Ihr noch ?

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